Als Elise aufwachte, fiel das Licht bereits grell durch die Krankenhausfenster. Vor der Kinderklinik stand eine hohe Ulme, deren Äste und Blätter krumme Schatten ins Zimmer warfen. Es dauerte eine kleine Weile, bis ihr wieder einfiel, wo sie war. Sie mochte die Augen nicht mehr öffnen; so sah sie nur zwei warmrote Flächen, wo die Sonne mitten durch ihre Lider hindurch strahlte, und neben ihr vernahm sie ihren gleichmäßigen, langsamen Herzschlag, verstärkt durch die Maschinen, deren Kabel irgendwodrin in ihr steckten und die das sanfte Pochen zu einem mechanischen Piepen machten. Manchmal hatte sie sich an den ersten Tagen in der Klinik vorgestellt, dass es ihr genauso ging wie einem dieser Roboter, die die Japaner bauten, dass sie, wenn sie schon so klang, am liebsten einfach einer wäre. Android. Nun war sie schon ein paar Wochen hier und alles egal, manchmal lief der Fernseher, manchmal spielte sie Game Boy, manchmal blätterte sie in einem der Bücher, die ihre Mutter brachte. Die Bücher kamen aus der Stadtbücherei, und die bröckelnde Folie und die Stempel und Flecken und der Bibliothekengestank deprimierten Elise. In einem der Stapel waren auch „Die Brüder Löwenherz“ gewesen, und sie wurde so wütend auf ihre Mutter, dass sie zwei Tage lang kein Wort mit ihr sprach, denn sie fand die Geschichte dumm und kindisch und kitschig, und sie hasste sie so sehr, dass sie vor Wut weinte, bis sie kotzen musste, und zwei Krankenschwestern mussten kommen, ihr Bettzeug zu wechseln, und die Schwestern waren immer beides, immer voll Mitleid und immer genervt.